
„Liebe führte ihn, Hoffnung erhob ihn. Denkmäler stürzen ein, aber ewig grünt des Edlen Aussaat.“ So ungefähr stand es auf diesem marmornen Obelisken noch vor 30 Jahren. Und zwar auf Deutsch.
Heute ist die Oberfläche des Steines stark angegriffen. Sie ist gräulich, mit Moos und Graffiti bedeckt. Die Gedenktafel ist verschwunden. Der umliegende Park verwildert. Alte Edellaubbäume sind morsch oder umgestürzt. Die Zeit schont keinen….Und lässt selbst diemächtigsten Erinnerungen zu Staub werden.
Ich fahre mit Dir nach Spanien, zeige Rezepte aus Finnland, begeistere mich für andere Länder. Und doch habe ich bisher so wenig von meiner Heimat erzählt. Von dem Ort, wo früher jeder Stein, jede Inschrift und jede Erinnerung deutsch sprach.
Ich bin in Niederschlesien in Polen geboren und mit den Spuren der Geschichte aufgewachsen. Ganz natürlich. Ohne Vorurteile. Glücklich, weil Kinder nicht in Nationen denken und überhaupt ungetrübt auf die Welt schauen. Alles war selbstverständlich. Deutsche Schilder auf den Hausfassaden: Bäckerei, Restaurant, nur leicht übertüncht. Wenn heute der Putz bröckelt, kommen sie wieder zum Vorschein. Alte Grabsteine mit fremden Namen. Vergilbte Zeitungen auf dem Dachboden, in der Sprache, die keiner lesen konnte. Zahlreiche Schlösser und Burgenruinen, in denen wir so gerne Verstecken gespielt haben.
Stumme Zeugnisse der Geschichte. Man hat sie als„ poniemieckie“ (das Ehemals- Deutsche, das Hinterlassene) bezeichnet.
Bis heute funktioniert dieses Wort gut.
Ich habe tolle Äpfel im Garten. Welche denn? Poniemieckie (nachdeutsche) oder neue?“.
„Was für welche?‘ – Poniemieckie natürlich! “.
Unser Haus ist ‚poniemiecki‘. Und jeder weiß: Das bedeutet, es wurde vor 1945 gebaut. Bei uns ist das sogar ganz konkret greifbar – das Baujahr ist direkt in das Gebälk geschnitzt: 1939
Ich fahre mit der Hand darüber, mache die Augen zu und spüre die tiefen Kerben der Zahlen im Holz. Man kann die Geschichte förmlich ertasten. In diesem Moment empfinde ich eine tiefe Verbundenheit zu diesem Ort. Es ist eine seltsame Melancholie, die mich erfasst. Die Vergangenheit ist ein Teil meiner eigenen Identität. Mein Fundament. Wie oft fragt man sich nach der Identität – du dich auch?“
Manche Dinge im Haus sind für die Ewigkeit gebaut, andere für den Moment – genau wie dieser Kuchen, den man schon damals mit den einfachsten Zutaten aus der Vorratskammer backen konnte. Ein Kuchen, der keine Extravaganz braucht, nur ein paar gute Zutaten. Am besten Eier von den glücklichen schlesischen Hühnern. Na gut, mit den Bio-Eiern klappt es auch. Gute Butter, Joghurt oder Buttermilch, die man dann in den Teig einrührt.
Etwas Zucker, fertig. Der Kuchen ist saftig, locker und sehr lecker. Passend für die Jahreszeit eine dicke Schicht Kokosraspeln gemischt mit etwas Cappuccino-Pulver(wie Neuschnee) darübergegeben. Und weil mir nach mehr Kokos war, habe ich nach dem Backen noch etwas Kokosraspeln drüber gestreut. So ist der schlesische Schneekuchen perfekt.



In Niederschlesien( Polen) ist die Melancholie zwischen einstiger Pracht und heutigem Verfall allgegenwärtig.

Deutsche Schilder kommen immer wieder zum Vorschein…Hirschberg, Polen.

Schlichter Kuchen aus Niederschlesien
Dieser einfacher Kuchen mit Joghurt, Buttermilch oder Sahne ist kinderleicht und schnell fertig.
Ingredients
- Für den Teig:
- 140 g Butter
- 180 g Zucker
- 3 Eier
- 200 g Naturjoghurt, Buttermilch oder Sahne
- 250 g Mehl
- 1 Päckchen Backpulver
- Außerdem:
- 2- 3 EL Kokosraspeln
- eventuell etwas Cappuccino-Pulver
Instructions
Butter und Zucker cremig schlagen.
Die Eier nach und nach einzeln unterrühren.
Den Naturjoghurt dazu geben und mischen
Dann das Mehl mit dem Backpulver mischen und alles kurz verrühren.
Den Teig in eine mit Backpapier ausgekleidete Backform von 24 cm geben.
Kokosraspeln mit dem Cappuccino-Pulver mischen und über den Teig streuen. Im vorgeheizten Backofen bei 175 Grad 20- 25 Minuten backen. Achtung: nicht zu dunkel backen.
Notes
Für mehr Aroma, die Raspeln vorher kurz ohne Fett in der Pfanne goldbraun rösten,
Garantiert kommen wir hier zurück im Frühjahr, wenn alles grünt. Bis bald!
Edyta




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