Caldo Gallego- Suppe aus Galizien

Garten in Spanien und rechts caldo gallego, spanische Suppe.

Der Jakobsweg ist eine Reise der Kontraste. An manchen Tagen fliegst du förmlich über die Pfade, an anderen spürst du jeden einzelnen Stein unter den Sohlen. Und genau so ist es mit dem Essen. Ich habe auf meinem Weg schon unglaublich lecker gegessen – Momente, in denen einfache Speisen mich zutiefst begeistert und mir neue Energie geschenkt haben.

Gedanken am Wegrand: Wenn der Geschmack der Heimat den Camino kreuzt

Neulich stand ein Gericht vor mir, das wie kaum ein anderes für diese Region steht: der Caldo Gallego (oft auch Caldo galego geschrieben). Übersetzt heißt das schlicht „Suppe aus Galizien“ oder „galicische Brühe“. Ein bodenständiger Eintopf, zubereitet aus dem Blattgemüse, Rübstiel, weißen Bohnen und Kartoffeln, oft verfeinert mit etwas Speck und Wurst.

Als bekennender Suppenkasper hatte ich eine riesengroße Erwartungshaltung. Aber als ich den ersten Löffel probierte, schoss mir sofort eine kulinarische Parallele in den Kopf: Das Ganze erinnerte mich stark an die polnische Kohlsuppe Kapuśniak. Doch im direkten Vergleich hinkte der spanische Klassiker für mich hinterher. Während unser polnischer Kapuśniak durch das Sauerkraut eine herrliche Geschmackstiefe entfaltet und diesen typisch kräftigen, erfrischend säuerlichen Geschmack hat, blieb der Caldo Gallego eher neutral und mild im Geschmack – und schon gar nicht sauer.

Das große Rätselraten um den Kohl

Doch was für ein Gemüse versteckt sich eigentlich in diesem Caldo Gallego? Ist es Grünkohl, Mangold, gewöhnlicher Kohl oder vielleicht doch ein ganz anderes Gemüse? Fragt man andere Pilger auf dem Weg, sind die Meinungen schnell geteilt. Marcin aus Polen war ganz pragmatisch und meinte trocken, das sei einfach ein gewöhnlicher Kohl und definitiv kein Grünkohl. Tamás aus Ungarn hingegen hielt dagegen: Er war sich sicher, dass es sich um eine ganz spezielle Kohlsorte handelt, die ausschließlich in Spanien wächst.

Tamás hatte übrigens gar nicht so unrecht! Der traditionelle Couve Galega (galicischer Kohl) ist botanisch gesehen ein Markstammkohl (Blattkohl). Er wächst zwar nicht nur in Spanien (auch in Portugal), ist aber im Vergleich zum deutschen oder polnischen Kopfkohl eine eigene, offene Blattform, die nicht als Kopf wächst.

Traditionelle galicische Beilagen:

Pan Gallego (Galicisches Brot): Ein rustikales Krustenbrot mit weicher, grobporiger Krume. Es ist unverzichtbar zum Aufsaugen der Suppe.

Empanada Gallega: Eine herzhafte Teigtasche. Für die vegetarische Variante wird sie mit einer dicken Schicht aus geschmorten Paprika, Zwiebeln und Tomaten gefüllt.

Tetilla-Käse: Ein milder, leicht säuerlicher galicischer Kuhmilchkäse. Er wird traditionell mit süßem Quittenbrot (Membrillo) gereicht.

Schließlich: Pimientos de Padrón, meine Liebe auf den ersten Blick. Die berühmten kleinen, grünen Bratpaprika aus Galicien. In reichlich Olivenöl gebraten und mit grobem Meersalz bestreut. Für diese Pimientos de Padrón würde ich töten.

Der galicische Kult-Spruch „Pimientos de Padrón, unos pican y otros no“ bedeutet übersetzt:

„Pimientos de Padrón, die einen sind scharf und die anderen nicht.“

Der Hintergrund zu diesem Spruch:

Das Besondere an dieser Paprikasorte ist ein kulinarisches „russisches Roulette“. Äußerlich sehen alle Schoten identisch aus und die allermeisten sind mild, süßlich und aromatisch. Doch durch natürliche Kreuzung und unterschiedliche Sonneneinstrahlung ist ab und zu eine extrem scharfe Schote dazwischen.

Man sieht es ihnen vorher nicht an – erst beim Hineinbeißen merkt man, ob man Glück oder „Pech“ hatte. Der Spruch beschreibt genau dieses feurige Überraschungsmoment, das den Essenstisch in Spanien immer sehr lebendig macht.

Grüne Paprikas und rechts ein Pilger- Denkmal in Galizien.
Grüne Felder und Strasse in Galizien, rechts ein altes Steinhaus in Galizien.
Grüne Berge in Galizien und die Grenze.
Pimientos de Padron und eine Menükarte in Galizien.
Eine pilgerstatue und eine Pilgerin im Dunklen, rechts eine alte Steinkirche in Galizien.
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Ich bin mir sicher: Diese Suppe muss ich noch an anderen Stellen probieren und erst dann mein endgültiges Urteil fällen. Jede Küche auf dem Camino hat schließlich ihr eigenes Geheimnis, und vielleicht erwischt mich der Caldo Gallego beim nächsten Mal genau im richtigen Moment

Liebe Grüße, Edyta

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