
Alles auf dem Camino fühlt sich wie ein Zufall an. Jede Biegung des Weges, jeder flüchtige Moment. Doch je länger man läuft, desto mehr wächst das Gefühl, dass eine unsichtbare Hand all diese Begegnungen längst präzise vorausgeplant hat. Genau so ein geheimnisvoller Zufall war mein Zusammentreffen mit dem Karottenkuchen.
Es begann an einem frühen Morgen in Astorga…
Diese Stadt hat mich vom ersten Moment an komplett in ihren Bann gezogen – ein Ort wie für mich gemacht. Die Menschen strahlen eine pure, ansteckende Fröhlichkeit aus, und die Gastfreundschaft ist hier keine Floskel, sondern Lebensgefühl. Auf den Gassen liefen mir prompt meine Mitpilger der letzten Nacht in die Arme. Gemeinsam schmiedeten wir Pläne, die nächste Nacht in der berühmten Herberge in Santa Catalina de Somoza zu verbringen.
Doch Astorga ließ mich einfach nicht gehen. Ich wollte mich nicht trennen, wollte diesen Vibe noch ein bisschen länger aufsaugen. Also zog ich den Aufbruch in die Länge, ging gleich zweimal essen und genoss das Hier und Jetzt. Maximal gestärkt von gutem Kaffee, frischem Orangensaft und zuckersüßen spanischen Rosquillas zog ich schließlich doch noch weiter – mit dem festen Versprechen im Herzen, irgendwann zurückzukehren und länger zu bleiben.
Wie mich der Camino zum besten Karottenkuchen führte
Als ich endlich in Santa Catalina ankomme, der Dämpfer: Die berühmte Herberge La Bohema ist geschlossen. Enttäuscht ziehe ich weiter durch das staubige, verschlafene Dorf. Doch dann, bei der zweiten Bar auf der linken Seite, sticht mir mitten im Ort plötzlich deutsche Schrift ins Auge. Ich hatte schon eine gefühlte Ewigkeit mit keinem Deutschen mehr geredet – also folge ich einem Impuls und gehe rein. Es sollte die beste Entscheidung meines gesamten Caminos werden.
Schon beim Eintreten spüre ich es: Ich bin in einer absoluten Oase gelandet. Keine steife Gastro-Atmosphäre, sondern ein Ort, der mich sofort einsaugt und nicht mehr loslässt. Hier stehen Rachel und Benjamin – zwei Menschen, bei denen ein tiefes Gefühl von Heimat ausbricht. Obwohl ich aus Astorga noch bis obenhin vollgestopft bin und aus reiner Höflichkeit nur einen Kaffee bestellen will, bricht sofort das Eis. Sie empfangen mich mit einem herzlichen Lächeln: „Welche Tasse magst du lieber?“ „Magst du deinen Kaffee stark oder schwach?“ „Möchtest du Honig oder Süßstoff?“
Engel auf dem Camino und der beste Karottenkuchen
Benjamin beginnt zu erzählen. Er fesselt mich mit unglaublich interessanten, skurrilen und lustigen Geschichten des Weges. Und Rachel stellt mir lächelnd ein Stück Kuchen hin. Ganz ungezwungen, einfach nur zum Probieren. Ich beiße an – und es ist der beste Kuchen meines Lebens! Süß, aber nicht übermäßig süß. Und gleichzeitig leicht säuerlich, mit dieser perfekten Säure, die nicht erschreckt, sondern unglaublich erfrischt. Für einen Moment vergesse ich das Hier und Jetzt und versinke total in purer Zufriedenheit. Das Zelebrieren, Genießen und im Moment Versinken – das ist mein ganz persönliches Dolce Vita.
Wir sitzen zusammen, ich esse und wir plaudern. Rachel springt auf, macht sich auch einen Kaffee und wir quatschen einfach wie beste Freundinnen. Genau das hat mir auf dem Weg so unendlich gefehlt: dieses unbeschwerte, unbesorgte Gespräch mit einer guten Freundin. Rachel macht auch überhaupt kein Geheimnis aus den Zutaten und verrät mir ganz natürlich, dass Sesam im Teig ist. Die nussige Note passt einfach perfekt zu der frischen Säure von Orange und Limette.
Schon auf dem Sprung, ich will mich gerade verabschieden und bin eigentlich schon auf dem Weg zur Tür, da greift Rachel plötzlich zur Gitarre und fängt an, speziell für mich zu singen. Im ersten Moment rechne ich mit einem netten, sanften Wanderlied. Doch schon bei den allerersten Tönen bekomme ich eine Gänsehaut. Rachel singt keine Volkslieder – sie singt Rock und Punk! Die rohe Energie ihrer Stimme trifft mich mitten ins Herz und versetzt mich augenblicklich zurück in meine Jugend, als ich voll auf Rockmusik abgefahren bin.
In dieser kleinen Bar bricht alles auf. Wir haben gemeinsam geredet, gelacht, geweint und gesungen. Zum Abschied umarmen wir uns fest. Als wäre das nicht schon Geschenk genug gewesen, drückt mir Benjamin noch einen kleinen blauen Stein in die Hand. Er hält seine Hände schützend darum und zeigt mir, dass dieser Stein im Dunkeln leuchtet. Reine Magie. Und der Camino lügt nicht: Schon am nächsten Tag beschert mir dieser Stein eine wunderbare, ganz besondere Begegnung…❤️





The best carrot cake auf Camino Frances
Ein Karottenkuchen mit Sesam ist eine saftige und nussige Variante des Klassikers. Serviert mit einem Joghurt-Honig-Frosting schmeckt er sehr erfrischend.
Ingredients
- Für den Teig
- 3 Eier
- 250 g Karotten
- 150 ml Öl
- 1 Prise Salz
- 1 Packung Backpulver
- 200 g Mehl
- 150 g Zucker
- 1 Stück Limette
- 50 ml Orangensaft
- 40 g Sesam
- Für das Joghurt-Honig-Frosting
- 200 g Griechischer Joghurt (10 % Fett, gut abgetropft)
- 2 EL Honig
- 1 TL Limettenabrieb (für die Deko)
Instructions
Den Sesam in einer Pfanne ohne Fett goldbraun anrösten. Auf einem Teller abkühlen lassen.
Den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein kleines Backblech ca. 20x30 cm
(Springform 22–24 cm oder Kastenform 25 cm) einfetten. Karotten fein raspeln. Die Schale der Limette abreiben und die Frucht auspressen.
Eier und Zucker schaumig schlagen. Das Pflanzenöl, Salz, die Hälfte des Limettenabriebs und den Orangensaft unterrühren.
Mehl und Backpulver mischen. Zusammen mit den geraspelten Karotten und 30 g des abgekühlten Sesams kurz unter den Teig heben.
Den Teig in die Form füllen und für 35–45 Minuten backen (Stäbchenprobe machen). Danach vollständig abkühlen lassen.
Frosting: Den griechischen Joghurt mit dem Honig glattrühren. Die Creme wellenförmig auf dem abgekühlten Kuchen verstreichen.
Notes
Kein kleines Backblech zur Hand? Kein Problem! Für ein großes Backblechverdoppelst du einfach die Zutatenmenge und passt die Backzeit auf 20–25 Minuten an. Alternativ kannst du den Kuchen in einer Springform von 22–24 cm oder einer Kastenform von 25 cm Länge für ca. 35–45 Minuten backen.
Ich habe den Karottenkuchen für Dich nachgebacken. Er schmeckt fantastisch, saftig, einfach lecker. Aber ganz ehrlich? Ein Detail fehlt. Die spanische Luft, die Magie des Weges und die heftige, ehrliche Energie von Rachel und Benjamin lassen sich eben nicht in eine Backform gießen. Mein Kuchen ist ein Genuss – das Original bleibt unerreicht! Geh unbedingt rein in Susanas Bar in Santa Catalina de Somoza und frag nach Rachels berühmtem Camino-Carrot-Cake. Wenn du das echte, pure Camino-Gefühl erleben willst, musst du diesen Kuchen genau dort probieren!
Liebe Grüße, Edyta




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