
„Wenn ich groß bin, heirate ich eine Frau, die mir ganz viele Piroggen kocht!“, erzählt mein kleiner Neffe mit völlig ernster Miene. „Jeden Tag eine andere Sorte. Mit Quark, mit Kartoffeln, Mohn-Piroggen… oder mit Blaubeeren! Davon bekomme ich dann eine ganz blaue Zunge.“ Der Junge lacht herzlich auf und ich kann gar nicht anders, als mitzulachen. „Am besten nur süße Piroggen“, schwärmt er weiter. „Mit Obst und richtig viel Sahne!“
„Und gelbe Kürbis-Piroggen mit Zwetschgen?“, frage ich ihn neugierig.
„Klar, das geht auch! Und Schokoladen-Piroggen – mit viiiel Schokolade!“
„Und was ist, wenn deine Frau mal keine Piroggen kocht? Was machen wir dann?“, hake ich nach.
Der Junge kichert, hat aber sofort die perfekte Lösung parat: „Dann kannst du ja für mich kochen!“ Dabei wirft er mir einen so charmanten Blick zu, dass ich einfach nicht Nein sagen kann. Und weil es bis zu seiner Hochzeit ja noch ein bisschen dauert, fange ich am besten direkt jetzt schon damit an.
Polens kulinarisches Nationalgut: Eine Teigtasche, unendliche Möglichkeiten
Piroggen (oder Pierogi, wie man in Polen sagt) sind das absolute polnische Nationalgericht. Fast jedes Land hat seine eigenen gefüllten Teigtaschen, aber die polnische Vielfalt ist kaum zu schlagen. Die Möglichkeiten bei Teig und Füllung sind schier unendlich.
Wenn Du noch wenig Erfahrung mit dem Selbermachen hast, starte am besten mit den Klassikern: den traditionellen Pierogi ruskie mit einer herzhaften Kartoffel-Quark-Füllung. Mein persönlicher Favorit für die kalte Jahreszeit ist die Kraut-Pilz-Füllung – unglaublich aromatisch und angenehm säuerlich. Wer es süß mag, greift zu süßem Quark oder frischen Beeren wie Erdbeeren, Blaubeeren und Kirschen. Und für die Experimentierfreudigen gibt es sogar Varianten mit verschiedenen Getreidegrützen, wie etwa Buchweizen, oder deftige Fleischfüllungen.
Das perfekte Herbstrezept: Kürbis trifft auf fruchtige Zwetschge
Das heutige Rezept ist dagegen ein echter Geheimtipp, den man nicht an jeder Ecke findet: Kürbis-Piroggen mit einer duftenden Zwetschgenfüllung.
Der Teig leuchtet durch den Kürbis wunderschön herbstlich gelb und harmoniert perfekt mit den fruchtigen Pflaumen im Inneren. Serviert mit einem Klecks Sahne, etwas Zucker und Zimt bringt dieser Teller sofort Farbe in graue Herbsttage. Bei diesem Anblick kann niemand traurig sein.
Hast Du Lust bekommen, es auszuprobieren? Das Rezept kommt unten.




Kürbis-Piroggen mit Zwetschgenfüllung
Diese polnischen Kürbis-Piroggen überraschen mit einem leuchtend orangefarbenen Teig und einer saftig-fruchtigen Zwetschgen-Zimt-Füllung.
Ingredients
- Der Teig:
- 300 g Mehl (entspricht 2,5 Bechern)
- 3–4 EL Kürbispüree (am besten gut abgetropftes Hokkaido- oder Butternut-Püree für eine intensive orange Farbe)
- 1 Stück Ei
- 2 EL Speiseöl (neutrales Pflanzenöl)
- Etwa 1 Becher heißes Wasser (ca. 200–240 ml) – wichtig: Schluckweise dazugeben, eventuell wird nicht alles benötigt!
- 1 Prise Salz
- Die Zwetschgen-Füllung:
- Ca. 300 g frische Zwetschgen (entsteint und geviertelt oder fein gewürfelt)
- 2–3 EL Zucker (oder brauner Zucker) gemischt mit 1 TL Zimt.
Instructions
Das Mehl auf eine Arbeitsfläche sieben, eine Mulde hineindrücken. Ei, Kürbispüree, Öl und Salz hineingeben. Nach und nach das heiße Wasser hinzufügen und alles zu einem glatten, geschmeidigen Teig verkneten. Den Teig abgedeckt 20 Minuten ruhen lassen.
Den Teig dünn ausrollen, Kreise ausstechen. In die Mitte jedes Kreises 1–2 Zwetschgenstücke legen und mit einer Prise Zimt-Zucker bestreuen.
Die Teigränder sorgfältig zu Halbmonden zusammendrücken und gut verschließen (gerne mit dem typisch polnischen Flechtmuster oder einer Gabel festdrücken).
Die Piroggen in siedendem, leicht gesalzenem Wasser kochen. Sobald sie an die Oberfläche steigen, noch etwa 2 bis 3 Minuten ziehen lassen, dann mit einem Schaumlöffel herausheben.
Notes
Den Zucker erst beim Füllen direkt auf die Pflaumen in die Teigtasche geben, damit die Früchte vorher nicht zu viel Saft ziehen und der Teig reißt.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange sein,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben…( Herbsttag/ Rainer Maria Rilke)
Oder… den Teig kneten und die süße Herbstsonne in goldgelbe Piroggen einschließen, um die Seele zu wärmen…
Liebe Grüße, Edyta




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